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Die Beute von Annfwn PDF Print
Written by Robin Gates   
Freitag, 08 Juni 2007
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Die Beute von Annfwn
Preiddeu Annwfn

Einer der suggestivsten mythologischen Texte der keltischen Kosmologie ist das altwalisische Lied "Preiddeu Annfwn" aus dem Buch Taliesins (Llyfr Taliesin). Der Titel lautet übersetzt etwa "Die Beute von Annwfn". Es ist ein nur sehr schwierig mit dem Intellekt zu erfassender Text, denn für das Verständnis von vielem, von dem er spricht, fehlt uns heute der größere Hintergrund, aus dem er herausgerissen wurde. Dennoch ist es möglich, sich diesem Lied intuitiv zu
nähern, indem man sich beispielsweise in Trance versetzt, den Text langsam Zeile für Zeile von einer vortragenden Person ( oder einer vorher besprochenen Kassette) anhört und dabei die Emotionen und Bilder wahrnimmt, die in einem aufsteigen. Denn Preiddeu Annwfn ist mehr als nur ein Lied über eine Abenteuerfahrt. Es ist eine mit vielen magischen Symbolen versehene Initiationsreise ins eigene Selbst.

In diesem Lied begegnen wir Arthur, der mit seinen Kriegern in dem Schiff Prydwen in die Anderswelt fährt, an einen Ort namens Annwfn (gesprochen: "annuvn"; "w" = "u"). Sie unternehmen diese Expedition, um durch die verschiedenen Caers ( Burgen oder Festungen) zum Kessel der Wiedergeburt vorzudringen, den sie in die Menschenwelt bringen wollen. Es ist eine gefährliche und tödliche Reise, denn im Refrain heißt es immer wieder, daß "keiner außer Sieben" zurückkehrt. Annwfn ist in der keltischen Mythologie ein Ort, der in den ältesten Texten als eine Insel jenseits der von Menschen bewohnten Gegenden beschrieben wird; teilweise ist es auch ein Ort unter der Erde.

Das Wort "Annwfn" kann "Innen/ Unterwelt" oder auch "Nicht-Welt" bedeuten. Arthurs Reise ist also auf einer spirituellen Ebene eine Reise ins Unbewußte des eigenen Selbst, um dort das Prinzip von Tod und Wiedergeburt, repräsentiert durch den magischen Kessel, zu verinnerlichen, aufzunehmen und somit ins Bewußtsein, in die Menschenwelt zu holen. Es ist ein Prozeß, der überflüssige und für den spirituellen Fortschritt hinderliche Verhaltensweisen, mit denen man die Herausforderung angenommen hat, zerstört; deshalb kehren auch nur sieben Krieger zurück, die damit der Zahl der Vollkommenheit entsprechen

Bisher konnten hauptsächlich zwei Initiationsereignisse in dem Gedicht teilweise entschlüsselt werden. Das eine ist die Befreiung des jugendlichen Helden, der ähnlich wie Mabon in der Geschichte von Kulhwch und Olwen die als im Kerker der Nacht gefangene Morgensonne repräsentiert, der junge Funke des Göttlichen, der unbewußt in jedem Menschen schlummert und durch die Inititation ins Bewußtsein geholt wird. Das andere ist die Erbeutung des Kessels. Dieser ist, wie archäologische und schriftliche Zeugnisse belegen, das hauptsächliche sakrale und rituelle Gefäß der Kelten schlechthin und ein Nährboden für die späteren Vorstellungen vom Gral. Einerseits stellt er ein Symbol für die Fülle des Lebens dar, denn immer wieder tauchen in den Mythen der
Kelten Kessel auf, in denen endlos Speisen kochen, ohne je leer zu werden, andererseits ist er aber auch ein Symbol des Todes; im Kessel werden nach Lukan die Opfer für Teutates ertränkt. Vereinigt werden diese beiden Symbole in der irischen Überlieferung von Brans Kessel, in dem die Toten wieder zum Leben erweckt werden, ein kraftvolles Bild für die ständige Transformation von Leben und Tod.

Von den in diesem Lied auftauchenden Namen sind nur wenige überliefert. Pwyll und Pryderi aus der ersten Strophe des Liedes sind zwei Figuren aus dem Mabinogion. Pwyll, der Vater von Pryderi, ist der Fürst von Dyfed. Er übernimmt in der ersten Geschichte des Mabinogion für ein Jahr die Herrschaft in Annwfn, fungiert also auch in diesem Lied als der König der Unterwelt. Prydwen ist Arthurs Schiff, mit dem er auch in der Geschichte von Kulhwch und Olwen nach Irland übersetzt. Es symbolisiert, ähnlich wie die Tarotkarte "Der Wagen", die Balance zwischen Intuition und Rationalität, mit der sich der spirituelle Krieger oder die Kriegerin der Herausforderung einer abenteuerlichen Reise ins eigene Selbst stellt, einer Reise, die das Göttliche in der eigenen Person durch einem Akt von Tod ( des alten Menschen) und Wiedergeburt (des neuen Menschen) ans Licht des Wachbewußtseins zu bringen vermag. Möge Taliesins Lied von der Beute von Annwfn auch noch in diesem Zeitalter seinen Teil dazu beitragen!
Meine Übersetzung ist eine Mischung aus den englischen Texten von Thomas Stephens und John Matthews.

 

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