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Über den Tod PDF Print
Written by McClaudia   
Freitag, 04 Januar 2008
Article Index
Über den Tod
Tod der Königin
Vorbereitungen
Der Grabhügel
Das Totenfest
Grabschliessung
Totenbrauchtum
Grabbeigaben
Bestattungsarten
Antike Schriften
Tod in der Neuzeit
Sonderbestattungen
Das Sterben
Die Seele
Leben nach dem Tod
Wiedergeburt
Die Anderswelt
Neuheidnische Sicht
Quellenangaben

Sonderbestattungen

Nicht alle Kelten wurden „normal“ beigesetzt. Es gab Ausnahmen.

Kinder waren z.B. so eine Ausnahme. Im Vergleich zur Häufigkeit von Erwachsenengräbern sind Gräber von kleinen Kindern oder Säuglingen eher selten zu finden, obwohl die Kindersterblichkeit in der Eisenzeit doch sehr hoch war. Eine mögliche Erklärung (Birkhan) wäre, dass kleine Kinder noch nicht als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft galten und damit noch kein Anrecht auf Beerdigung hatten. Jene seltenen Gräber, die es gibt, liegen oft abseits von Erwachsenengräbern. Die Grabbeigaben sind kindgerecht: Rasseln, Spielzeug und sogar ein Tier zum Spielen, wie in einigen Gräbern der Arras-Kultur, wo man Kindern Lämmer oder Rehkitze ins Grab mitgab. Kinder waren auch besonders häufig mit Unmengen an Amuletten, vor allem aus Eisen behängt. Eine interessante Sache gibt es bei einem britanno-römischen Grabfund in Cambridge, wo Kindern gutes Schuhwerk mitgegeben wurde, das ihnen viel zu groß war. Vielleicht nahm man an, dass die kleinen Seelen noch hineinwachsen würden. Unmengen von Amuletten findet man auch oft bei Leichen sehr junger Frauen (die vielleicht im Kindbett gestorben waren). Weitere Personengruppen, die vielleicht besonders bestattet wurden, könnten Druiden, der Hexerei verdächtige Menschen, Zauberinnen, Wahnsinnige, Verbrecher, Unfallopfer, Opfer von Krankheiten, Hingerichtete, Ermordete, unverheiratete Frauen oder Witwen gewesen sein. Menschen jedenfalls, die irgendwie aus der Norm gefallen sind, deren Macht man im Tode besonders fürchtete.

Sonderbestattungen beschränken sich aber nicht aufs „Nichtbestatten“ oder auf Amulettbeigaben. Es handelt sich dabei vor allem um die Art, wie die Leiche behandelt wird: So fand man Leichen in Bauchlage, Tote, denen Körperteile abgetrennt wurden, welche dann widernatürlich neben dem Torso umgeschichtet wurden, Leichen ohne Köpfe oder Köpfe ohne Körper, Entfernen des Unterkiefers vom Schädel, Festnageln des oder der Toten mit Pfosten (wie Devogena in der Geschichte) oder großen Steinen, getrennte Bestattung von Körper und Extremitäten, gefesselte Leichen, uvm. Hier kommen wir auch schon in den Bereich von Hinrichtungen und Menschenopfern, den ich hier aber nicht näher behandeln möchte.

Zum Schluss noch zu Fällen von absichtlichem Nicht-Bestatten: Sowohl in Keltiberien (Silius Italicus „Punica“ 341 ff. erzählt davon) als auch in Britannien (wo das mittelalterliche Gedicht „Gododdin“ berichtet) wurden offenbar gefallene Krieger nicht beerdigt, sondern am Schlachtfeld liegen gelassen, auf dass sie von Raubvögeln (Geier in Keltiberien und Raben in Britannien) gefressen würden. Dies galt als besondere Ehre für die Krieger, vielleicht weil sie so schneller zu den himmlischen Gottheiten aufsteigen konnten. Und Strabon (Geographia IV,5,4,) schreibt sogar, dass in Irland oder Britannien die Söhne ihre toten Väter aufgegessen hätten. ... Mahlzeit - kann ich da nur sagen, wenn man auch nicht alles glauben muss, was uns antike Autoren so hinterlassen ...

 



 
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