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Über den Tod PDF Print
Written by McClaudia   
Freitag, 04 Januar 2008
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Quellenangaben

Wiedergeburt

Caesar schreibt im „Gallischen Krieg“ (6,14,5): „Vor allem wollen sie davon überzeugen, dass die Seelen nicht vergehen, sondern nach dem Tode von den einen auf die anderen übergehen, und sie glauben, dass dies ganz besonders zur Tapferkeit ansporne, weil die Furcht vor dem Tode entfalle.“

Pomponius Mela berichtet „Ein Punkt ihrer Lehre ist zu allgemeiner Kenntnis gedrungen: um nämlich das Volk für den Kampf recht geeignet zu machen, lehren sie, die Seele sei unsterblich und nach dem Tode beginne bei den Verstorbenen ein neues Leben.“

Valerius Maximus (s.o.) berichtet von der Unsterblichkeit der Seele und vergleicht diesen Glauben mit dem des Pythagoras. Ebenso Diodorus Siculus (s.o.): „Bei ihnen herrscht nämlich die Lehre des Pythagoras, dass die Seelen der Menschen unsterblich seien und nach einer bestimmten Zeit von Jahren noch einmal lebten, wobei die Seele in einen anderen Körper eingehe.“

Im Gegensatz zur hinduistischen oder pythagoreischen Lehre, so meint De Vries, müsste man sich die Wiedergeburt bei den Kelten als Wiedergeburt im eigenen Stamm vorstellen. Er vergleicht es mit germanischen und anderen archaischen Vorstellungen, wo man das Wiederaufkeimen der Seele z.B. des Urgroßvaters im neugeborenen Enkel erkannte, und das unter Umständen an körperlichen oder charakterlichen Ähnlichkeiten festmachte. Andererseits spräche in den Quellen auch nichts Gravierendes dagegen, dass die Seele in x-beliebigen neuen Körpern inkarnierte.

Weiters dürften die Kelten, zumindest nach den antiken Zeugnissen, nicht als Tier oder Pflanze wiedergeboren worden sein. Es scheint eher nur die Wiedergeburt als Mensch infrage zu kommen. Tierische oder sogar pflanzliche Inkarnationen findet man erst in der mittelalterlichen inselkeltischen Literatur:

Die Wiedergeburtsgeschichten dort scheinen mir recht überschaubar, wenn man konsequent alle Geschichten, die reine Verwandlungen darstellen, weglässt und sich tatsächlich auf Geschichten konzentriert, in denen gestorben und wiedergeboren wird.

Die Sage um „Túan mac Cairill, wie er sie dem Heiligen Finnén von Mag Bile erzählte“ berichtet von Túan, einem der ersten Einwanderer Irlands, der als einziger überlebt und, damit er die gesamte Geschichte Irlands mitbekommt, von einer Tiergestalt in die nächste wechselt. Das läuft so ab, dass er altert und schwach wird und sich in eine Höhle zurückzieht, wo er sich „ausruht“ und am nächsten Tage in einer anderen Tierform, jung und frisch, wieder erwacht. Der Mythos von den „beiden Schweinehirten” erzählt von zwei zauberkräftigen Schweinehirten, die ihre magischen Kräfte messen und sich hiefür in immer andere Tiere verwandeln. Zum Schluss sind sie Wasserwürmer und werden von Kühen verschluckt, die sie als Kälber wieder gebären. In der „Brautwerbung um Étaín“ geht es um Étain, eine Königstochter der Síde, die in eine Fliege verwandelt wird und von einer Frau Jahrzehnte später verschluckt wird, die daraufhin schwanger wird und die „neue“ Étain auf diese Weise wieder gebiert. Ähnlich in der „Geschichte des Taliesin“, wo Gwion Bach, in ein Korn verwandelt, von der Zauberin Ceridwen, die sich in ein Huhn verzaubert hatte, verschluckt wird und neun Monate später als berühmter Barde Taliesin von (der wieder menschlichen) Ceridwen erneut geboren wird.

Die interessanteste Geschichte, wie ich finde, ist die von Cú Chulainn in der Sage um seine Zeugung und Geburt: Deichtine traf in der Anderswelt auf eine Frau in den Wehen, der sie bei der Geburt beistand. Aus nicht näher erläuterten Gründen nahm sie den Säugling an sich und wurde, zurück in der normalen Welt, seine Pflegemutter. Nach einiger Zeit wurde der Junge krank und starb. Deichtine trank daraufhin Wasser und verschluckte versehentlich ein „kleines Geschöpf“, worauf sie schwanger wurde und von Lugh träumte, der sich als Vater des Kindes entpuppte und Deichtine sagte, sie möge den Kleinen Sétanta nennen. Deichtine wurde mit Sualdam mac Roich verheiratet und erbrach vor der Hochzeitsnacht den Fötus. Von Sualdam wurde sie nun wieder schwanger und gebar alsdann Sétanta Nummer drei (der später Cú Chulainn genannt wurde). Diese Geschichte könnte vielleicht eine theologische Antwort auf die hohe Kindersterblichkeit der damaligen Zeit gewesen sein, wie Birkhan bemerkt. Vielleicht suchte die Seele nach dem „richtigen“, nach einem „lebensfähigen“ Körper.

Diese Geschichten könnte man als weiteren Beweis für den Wiedergeburtsglauben bei den Kelten nehmen, wenn nicht, wie Le Roux / Guyonvarc’h und De Vries anmerken, ausschließlich nur besondere Leute, ja Andersweltwesen wiedergeboren würden. Taliesin, Cú Chulainn, Étain, Túan, die zauberischen Schweinehirten – sie alle sind im Prinzip keine „normalen“ Menschen. Es könnte also, so die Kritik, sein, dass nur besondere Menschen, Helden, Halbgöttinnen wiedergeboren würden, während die normalen Menschen in die Anderswelt eingingen.



 
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