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Über den Tod PDF Print
Written by McClaudia   
Freitag, 04 Januar 2008
Article Index
Über den Tod
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Die Anderswelt
Neuheidnische Sicht
Quellenangaben

Anderswelt


„Hier bring ich euch einen Ast vom Apfelbaum aus Emain,

fast ähnlich denen, die euch bekannt sind,

aber er hat weißsilberne Zweige

und kristallene Triebe und Blüten.

 

Er stammt von einer fernen Insel

mit herrlich anzusehenden Wiesen und Triften,

ihre Bewohner vergnügen sich darauf mit Wettspielen,

Boote kämpfen gegen Streitwagen -

 

- dort im südlichen Mag Findagart, dem weißsilbernen Land.

Mitten darin steht ein uralter Baum voller Blüten;

Vögel singen in seinem Laub und laden ein mit ihrem Lied

zu stündlicher Zusammenkunft in Frieden und Eintracht.

 

Schmerz und Betrübnis sind unbekannt in Emain,

es gibt dort keinen Kummer, keine Sorge, keinen Tod.

Freiheit von Krankheit und Gebrechlichkeit

kennzeichnen die Insel Emain,

 

ein Wunder, das sonst nirgends auf der Welt begegnet.

Vielgestaltige Insel Emain mitten im Meer,

wunderbar anzusehen, ob aus der Nähe oder aus der Ferne,

tausende von Frauen verschiedenster Schönheit bevölkern dich,

 

umflossen von klarer See.

Aircthech, Land des Überflusses,

Ciúin, Land des Friedens,

Ildathach, Land der Farbenfülle.“

 


 

9cliffsofmohair

 

Die Cliffs of Mohair oder ähnliche stimmungsvolle Aussichten auf die See tragen zu phantastischen Vorstellungen über ferne Andersweltinseln bei.


Die Schilderung der Botin aus Emain Ablach, der „Insel der Äpfel“ aus der Geschichte „Die Seereise des Bran mac Febail und seine abenteuerliche Fahrt“, mit der sie Bran Appetit auf ihr Land des paradiesischen Glücks, der Erfüllung macht, führe ich als Beispiel an für die unzähligen ähnlichen Schilderungen in mittelalterlichen walisischen und irischen Sagen und Märchen (s.u. die Quellen, auf die ich hier aus Platzgründen nicht eingehen kann). Auffällig bei den meisten dieser Andersweltgeschichten ist, dass die Helden kaum Tote sind, sondern lebende Menschen, die meist von schönen Frauen in die Anderen Welten gelockt werden. Maier (2001) zweifelt daher grundsätzlich daran, dass die Anderswelten Totenreiche sind – sondern wohl in erster Linie Wohnorte der Sídhe, der Feen, der Gottheiten, der Unsterblichen, in die besondere Helden eingeladen werden.

So ganz ausschließen kann man aber die Anderswelten als Totenreiche auch nicht. Hier ein paar Beispiele für inselkeltische Jenseitswelten:

Prokopios von Kaisareia (6. Jhdt. n. Chr.) berichtet, dass die Seelen der Verstorbenen in Booten von der nordfranzösischen Küste über den Kanal nach Britannien fuhren. Und zwar wurden die Boote von Fährleuten gefahren, die in den Fischerdörfern wohnten. Diese Fährleute wurden um Mitternacht von unsichtbaren Mächten geweckt und begaben sich wie in Hypnose zum Strand, wo sie fremde, leere Boote vorfanden. Sie begaben sich zu ihrem Platz am Ruder und merkten am Schwererwerden des Bootes, dass die Seelen einstiegen. Wenn die Boote voll von den unsichtbaren Seelen waren, ruderten sie nach Britannien hinüber, und brauchten dafür nur eine Stunde. An der Küste Britanniens stiegen die Seelen aus und gingen an Land, was die Fährleute am Leichterwerden der Boote merkten. Alsdann fuhren sie wieder zurück auf das Festland. Die Fährleute hörten an der britannischen Küste die Stimme eines Seelengeleiters, der die Toten einzeln beim Namen rief, und zwar zusammen mit der gesellschaftlichen Stellung, die sie im Leben bekleidet hatten und die väterliche Abstammung. Frauen nannten dazu ihren männlichen Vormund.

Tech nDuinn, das „Haus des Donn“ wiederum ist eine kleine Insel bei der Insel Dursey, in der Nähe der Halbinsel Béara. Der Sage nach kommen alle Menschen nach ihrem Tode dort hin. Ynys Enlli oder Bardsey-Island in Wales gilt als Andersweltinsel, von der behauptet wird, dass 20.000 Heilige dort bestattet seien. Und dann möchte ich nocheinmal auf die Seelenvogelinsel in der Seefahrergeschichte des Mael Dúin (s.o.) hinweisen.

Faszinierend bei diesen Schilderungen, abgesehen von Mael Dúins Insel, ist, dass es sich bei all diesen Inseln um reale Orte handelt. Seelen fahren nach Britannien oder auf kleine Inseln, die man als Sterblicher jederzeit leicht besuchen kann. Weitere reale Orte, die in den Mythen als Anderswelt gelten, sind unter anderem Spanien oder Griechenland (als Ursprungsorte diverser mythischer Einwanderer), diverse Höhlen (z.B. die von Cruachain) und Inseln (oder das Meer selbst bzw. das Land darunter) und Megalithanlagen (z.B. Newgrange). Vor allem letztere gelten als Sídhe, als Wohnsitze der gleichnamigen Feenwesen oder verniedlichten „Ex-Gottheiten“ (Tuatha Dé Danann), von denen gesagt wird, dass sie in diesen Hügeln glückselig wohnen.

Oft aber bleibt die Verortung der Anderswelt im Dunkeln. Da ist nur von „Inseln im Norden“, „fernen Inseln“, dem „Land unter dem Meer“ oder ähnlichem die Rede, oder nur der Eingang zur Anderen Welt (oft Wälder, Höhlen, Flüsse, das Meer, der Nebel oder das Samain-Fest als magische Zeit, wo überall die Eingänge zur Anderswelt offen scheinen) ist in der realen Welt fassbar.

Die Bezeichnungen der Anderswelt sind recht unterschiedlich, aber sehr bezeichnend: Die Anderswelt selbst (bzw. Nichtwelt, Un-Welt, Innen-Welt) heißt im Irischen Tír n-aill, im Walisischen Annwfn, was in späterer Zeit aus christlicher Sicht auch „Hölle“ bedeutete. Die aus den Arthur-Geschichten bekannte Apfelinsel Avalon ist auch im Irischen (s.o.) als Emain Ablach und im Walisischen als Ynys Afallach bekannt. Die bereits erwähnten Feenhügel, die Sídhe, finden sich als Fremdwort im Walisischen als Caer Sidi (Jenseits-Festung) und kommen wahrscheinlich aus dem Lateinischen „sedes“, Griechisch hedos, „Sitz, Wohnsitz“, womit zumeist neolithische Anlagen gemeint sind. Weitere irische Andersweltbezeichnungen sind: Tír na n-óg - „Land der Jugend“, Tír na mban – „Land der Frauen“, Mag mell oder Tír Tairngiri – „Land des Glücks, Paradies“, Tír na mbéo – „Land der Unsterblichen“ oder Mag Mór – „große Ebene“.

Für die festlandkeltische Antike könnte man Dubnos - „untere Gewässer, Unterwelt“ oder Albios – „weißes Land, Himmel, Oberwelt“ als mögliche Anderswelten annehmen, oder aber Andounna, was etymologisch mit dem Walisischen Annwfn zusammenhängt und auf einem Weihestein von Collias zu finden ist, wo eine gleichnamige Matronentrias genannt wird. Ob der Namen der „Matres“ Andounnae tatsächlich auf der Bezeichnung für Anderswelt fußen, bleibt dabei natürlich fraglich.

Die meisten Beschreibungen der Anderswelt stellen diese als glücklichen Ort dar. Le Roux / Guyonvarc’h meinen sogar, dass alle sozialen Unterschiede in der Anderswelt aufgehoben sind, was man zwar aus den inselkeltischen Schilderungen so durchaus ableiten könnte, was aber zumindest den unterschiedlich reichen Grabbeigaben der antiken Keltike widerspräche, die eher auf eine Beibehaltung der sozialen Situation in der Anderswelt hindeuten würden. Düstere Anderswelten gibt es eher selten, und wenn, dann meist bei den inselkeltischen „Odysseen“, den „immram“ genannten Mythen, wo sie der Spannung für die Abenteuer dienen (eine abenteuerliche Irrfahrt, wo alle Inseln voller Frieden und Glück sind, wäre auch ziemlich langweilig). Anderswelten als höllische Orte gibt es überhaupt erst in der späteren, schon sehr von christlichem Einfluss geprägten Literatur. In den frühen Beschreibungen fehlen höllische Vorstellungen. Hier stelle ich mir auch die Frage, inwieweit sich die paradiesischen Beschreibungen wirklich von christlichen Himmelsvorstellungen ableiten, wie Birkhan und v.a. Maier postulieren. Denn andere christliche Motive, wie z.B. Sünde und Buße oder eben die Höllenvorstellungen fehlen in den Andersweltgeschichten völlig. Eine Übernahme von antiken Vorstellungen des Elysions scheint mir hier fast eher schlüssig, wenn es sich denn nicht wirklich um eine keltische Erfindung handelt.

 

 

 

 

Zuletzt noch zu den Gottheiten der Anderswelt bzw. der Toten und des Todes (wenn man einmal davon absieht, dass ja im Prinzip alle Göttinnen und Götter in der Anderswelt wohnen):

 

 

Für Irland wären zu nennen:

 

Manannán Mac Lir, der Gott der Isle of Man, Midir, der Gott vom Síd Brí Léith, Donn (s.o.) oder Tethra, der König des Landes unter dem Meer. Die walisischen Anderswelten werden beherrscht von: Avallach und Modron, dem König und seinerTochter in Annwfn oder von Arawn, dem König von Annwfn in der Geschichte „Pwyll König von Dyfed“. 10nantosueltaMorgane, die Herrin von Avalon, wird in der Vita Merlini von Geoffrey of Monmouth erwähnt. Bei den antiken Kelten wäre am ehesten das göttliche Paar Nantosuelta und Sucellos zu erwähnen. Sie werden auf einem Weihestein von einem Raben begleitet. Nantosuelta könnte „sonniges Tal“ bedeuten, Sucellos ist „der gute Schläger“. Nantosuelta hält auf einer Stange ein kleines Häuschen, was man als Urne deuten könnte, und Sucellos einen langstieligen Hammer oder Schlägel, der sehr an den römischen Unterweltsgott Dis Pater erinnert, welcher auch von Caesar als Urahn der Gallier erwähnt wird. Inschriftlich oder historisch mit Dis Pater werden auch folgende keltische Götter verglichen: Ogmios (der in seiner beschriebenen Darstellung – er zieht eine Menge Leute an Ketten hinter sich her – auch ein Seelengeleiter sein könnte), Taranis (in den Lucan-Scholien, was wundert, da Taranis auch der mit Iuppiter verglichene himmlische Donnergott ist) und Smertrios, ein Gott, der mit einem Knüppel dargestellt wird, mit dem er eine Schlange erschlägt. Als Göttin wäre hier noch Aerecura anzuführen, die mit Proserpina, der röm. Göttin der Unterwelt verglichen wird.

 

 

 

Römerzeitlicher Weihealtar für die Göttin Nantosuelta und den

Gott Sucellos aus Sarrebourgh / Frankreich.

 



 
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