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Über den Tod PDF Print
Written by McClaudia   
Freitag, 04 Januar 2008
Article Index
Über den Tod
Tod der Königin
Vorbereitungen
Der Grabhügel
Das Totenfest
Grabschliessung
Totenbrauchtum
Grabbeigaben
Bestattungsarten
Antike Schriften
Tod in der Neuzeit
Sonderbestattungen
Das Sterben
Die Seele
Leben nach dem Tod
Wiedergeburt
Die Anderswelt
Neuheidnische Sicht
Quellenangaben

 

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Aufriss eines hallstattzeitlichen Hügelgrabes. In der Mitte befindet sich die Grabkammer aus Holzbohlen. Um den Hügel ist ein breiter Graben.

 

 

Die Prozession näherte sich der Nekropole. Neben einigen kleineren Grabhügeln, erhob sich in der Mitte ein mächtiger halbkugelförmiger Hügel, 50 m im Durchmesser und 7 m hoch. An seiner Spitze stand eine verwitterte Holzstatue des ersten Fürsten Ambiorix, und rund um den Hügel befanden sich weitere Holzstatuen verstorbener Adliger. Die Grabhügel waren für die Herrinnen und Herren der Stadt und umliegenden Dörfer gedacht. Etwa 300 m abseits befand sich der schlichtere Friedhof mit kleinen Aufschüttungen für die Unfreien, die Klienten und Leibeigenen.

Aber zurück zum fürstlichen Grabhügel in der Mitte: Ein etwa 6 m breiter Graben umgab den Hügel, und außen herum befand sich ein Kreis von etwa 1 m hohen Steinpfeilern. Beides diente dazu, den Ort der Toten vom Ort der Lebenden zu trennen. Die Grabhügel wurden schon seit Generationen genutzt, und der mittlere große Hügel war der Familie der Sapsuta vorbehalten. Ihr verstorbener Gatte und ihre Söhne ruhten bereits in diesem riesigen Grab.

Als die Prozession die Nekropole erreichte, waren etwa 50 Sklaven bereits damit beschäftigt, den Grabhügel an einer Seite abzugraben. Während der nächsten neun Tage – so lange dauerten die Leichenspiele – würde in der ausgehobenen Grube im Hügel eine Grabkammer aus grob zugehauenen Eichenbohlen eingelassen, in die dann die Fürstin samt ihren Grabbeigaben beigesetzt werden würde. Diese Grabkammer würde 3 mal 3 m Fläche einnehmen und 1,7 m hoch werden. Weiters waren Goldschmiede, Eisenschmiede und Künstlerinnen damit beschäftigt, spezielle Schmuckstücke für Sapsuta herzustellen, Schmuckstücke, die ausschließlich Toten vorbehalten waren. Nach und nach bekam die Tote noch zwei Paar kleiner Fibeln aus reinem Gold (für Lebende sinnlos, da eine Goldnadel viel zu weich ist, um einen Umhang festzuhalten), einige Amulette aus reinem Eisen, um die Tote am Wiedergängertum zu hindern und eine Bernsteinkette als Amulett für die Andere Welt.

Die lautstarke Prozession erreichte nun den Grabhügel, in dessen Nähe bereits ein Lager aufgeschlagen war: Ein Baldachin, unter dem der Wagen mit der aufgebahrten Leiche die nächsten neun Tage ausgestellt werden sollte, bewacht von vier Kriegern der Leibgarde. Mindestens einer von ihnen musste bei der Toten Wache halten – sie durfte nicht aus den Augen gelassen werden. Des Weiteren waren einige Tische für die Adligen und die fürstlichen Gäste aufgestellt und reich gedeckt. In der Nähe waren riesige Grillplätze angelegt, auf denen sich die Spieße mit ganzen Ochsen und Schweinen drehten, und etwas abseits ein provisorischer großer Kochbereich.

Die Karnyxbläser stießen in ihre Hörner, und die Menge verstummte. Ein Druide hob an, eine flammende Rede über Sapsuta zu halten. Er lobte die Taten der Rigani in den höchsten Tönen und beschwor Nantosuelta und Sucellos, die Seele der Dahingeschiedenen in ihr Reich der Freuden unter dem Meer gastfreundlich aufzunehmen. Danach verstrich noch etwa eine Stunde, in der alle anwesenden Adligen begrüßt wurden und das Programm der Leichenspiele durchgesagt wurde. Mit einem letzten Tusch der Karnyx-Bläser war das Fasten gebrochen und die Trauergäste stürzten sich über Speis und Trank. Trauer war nämlich nicht mehr angesagt. Die Priesterinnen hatten ihre Totenklage beendet, und die Tränen der Gäste trockneten bei guten Essen, bei einem Übermaß an warmem Bier und bei fröhlicher Musik, die von den vielen Barden und Spielleuten angestimmt wurde. Das Totenfest war ein Freudenfest geworden. Immerhin ging die Fürstin nun dorthin, wo die Glückseligkeit auf sie wartete, und wenn nicht ewig, dann würde sie sicher in einem der adligen Enkelkinder wiedergeboren werden. Latumaros’ einzige Tochter würde bald heiraten, eine gute Gelegenheit für Sapsutas Seele, wieder zu kommen.



 
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