| Über den Tod |
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| Written by McClaudia | |
| Freitag, 04 Januar 2008 | |
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Page 5 of 19 Die nächsten neun Tage war Jahrmarktstimmung. Es war ein dauerndes Kommen und Gehen von Trauergästen – jede Landstreicherin, jeder Bettler wurde verpflegt – niemand sollte in diesen Tagen hungern! Bei Musik und athletischen Vorführungen von Tänzerinnen spielte man Würfel- oder Brettspiele. Die herbeigereisten Händler machten gute Geschäfte, es wurden Geschichten erzählt, es wurde gelacht, gescherzt, gesoffen und gezecht, geliebt und gerauft. Wer konnte, nahm an den Spielen teil: Stockball, Pferderennen, Wagenrennen, Ring- und Boxkämpfe, Waffenvorführungen und Bardenwettstreite fanden statt. Kurzfristig wurde sogar eine Hasenjagd organisiert, die aber angesichts des Alkoholspiegels nicht sehr erfolgreich verlief. Natürlich trank und aß man nicht nur selber, sondern auch die verstorbene Rigani bekam ihren Teil ab. Man brachte der Toten Trank- und Speiseopfer in extra dafür gefertigtem Geschirr dar. Am fünften Tag der Spiele reiste der König des Nachbarreiches, Boiorix, an, um seiner Amtskollegin die letzte Ehre zu erweisen. Als Gastgeschenk brachte er 40 Stück 50-Liter-fassende Amphoren voll des besten italienischen Weines mit. 20 Amphoren köpften die Adligen für ihr eigenes Zechgelage, und die anderen 20 waren für die tote Rigani bestimmt: Da der Boden der Grabkammer schon fertig gezimmert war, stellte man den riesigen Bronzekrater (Weinmischgefäß) der Fürstin in eine Ecke der halbfertigen Grabkammer und leerte nach und nach alle 20 Weinamphoren, bis sich schließlich 1000 Liter Wein im 1100 Liter fassenden Gefäß befanden, das ohne Inhalt 208,6 kg schwer war, 1,64 m hoch und an der breitesten Stelle 1,27 m im Durchmesser maß. Der Krater war die Auftragsarbeit eines griechischen Bronzeschmieds aus Süditalien. Die Amphoren selber zerschlug man gründlich, sobald sie leer waren und verteilte die Scherben systematisch auf dem Weg von der aufgebahrten Fürstin bis zur Grabkammer. Immer wieder kamen Menschen zum Prunkwagen und legten mit griechischer Schrift beschriftete Birkenrindenstückchen oder, wenn sie es sich leisten konnten, sogar beschriftete Papyrusrollen, die aus Ägypten importiert wurden, auf den Wagen zur Leiche. Es handelte sich dabei um Briefe an die Fürstin selbst oder an andere verstorbene Verwandte oder Freund/innen. Die Leute erwarteten, dass die Fürstin diese Briefe mit in die Anderswelt nahm und den Adressaten aushändigte. Eines Tages kam sogar ein Händler daher, der einen Schuldschein zur Leiche legte. Er hatte der Sapsuta vor Jahren einmal einige Goldbarren im Wert von 10 Sklavinnen geliehen. Diese jedoch sagte ihm, dass sie sie wahrscheinlich erst im nächsten Leben zurückzahlen könne, was für den Händler in Ordnung war, da er sich so der Gastfreundschaft der Rigani versicherte. Nun aber, da seine Schuldnerin tot war, gab er ihr den Schuldschein über die Goldbarren mit ins Jenseits, damit sie sie in der Anderswelt bezahlen konnte, oder auch im nächsten irdischen Leben. Jedenfalls sollte sie nichts schuldig bleiben oder auf die Schulden vergessen. Das könnte die Seele zur Wiedergängerin machen.
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