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Über den Tod PDF Print
Written by McClaudia   
Freitag, 04 Januar 2008
Article Index
Über den Tod
Tod der Königin
Vorbereitungen
Der Grabhügel
Das Totenfest
Grabschliessung
Totenbrauchtum
Grabbeigaben
Bestattungsarten
Antike Schriften
Tod in der Neuzeit
Sonderbestattungen
Das Sterben
Die Seele
Leben nach dem Tod
Wiedergeburt
Die Anderswelt
Neuheidnische Sicht
Quellenangaben
 

Der neunte Tag ging zur Neige, und die Druiden erklärten die Leichenspiele für beendet. Die Grabkammer war bis auf die Decke fertig gezimmert und die Wände mit bunten Wandbehängen aus Wolle und Blumengirlanden geschmückt. Zu Füßen der Grabkammer hatte man ein Erdloch ausgehoben, welches für Devogena bestimmt war. Die Wagenlenkerin war ziemlich betrunken, wehrte sich aber jetzt plötzlich, ihrer Herrin in die Anderswelt nachzufolgen. Sie hatte nämlich während der Leichenspiele neuen Lebensmut gefasst und nun absolut keine Lust mehr zu sterben. Das Urteil der Druiden war aber unerbittlich, denn Devogena hatte der Rigani Treue geschworen bis in den Tod. Fünf starke Krieger waren nötig, um die tobende Dienerin festzuhalten, sodass der Vatis sie mit einem Seil fachgerecht erdrosseln konnte. Die letzten Worte, die Devogena herausschrie, waren ein Fluch gegen Dubnoduron. Das war ein gar schreckliches Omen, und die Leiche der Dienerin wurde gefesselt, ins Erdloch geworfen, eiserne Nägeln auf sie gelegt und letztlich ein dicker Holzpflock quer über die Leiche in der Grube fixiert. Druiden und Priesterinnen sprachen Bannflüche gegen die Tote, und dann wurde schnell das Erdloch zugeschüttet. Um nichts in der Welt sollte es der Toten möglich sein, zurückzukehren und als Wiedergängerin ihren Fluch gegen die Stadt wahr zu machen. Sogar neun Schweine wurden für die verstorbene Devogena geopfert und vollständig verbrannt sowie eine Schöpfkelle des Weines aus der Riesenamphore auf dem zugeschütteten Erdloch ausgegossen, um ihre Seele zu befrieden – ein teures und ungewöhnliches Opfer für eine Sklavin! Nachdem der Vatis, der die Gottheiten mit einem Orakel befragt hatte, sein Einverständnis für die Fortführung der Beerdigung gegeben hatte, nun, da die Seele der Devogena befriedet war, wurde damit begonnen, die hölzerne Grabkammer auszustatten:

3mitterkirchen

Rekonstruiertes Holzkammergrab samt Ausstattung des hallstattzeitlichen Hügelgrabes von Mitterkirchen. Die Leiche der „Fürstin“ lag ausgestreckt auf dem Wagen.


Zuerst rollte man den Wagen mit der aufgebahrten Sapsuta zur Grabkammer. Dann montierte man die Räder ab, damit die Fürstin nicht auf die Idee käme, mit dem Wagen ins Reich der Lebenden zurückzufahren. Mit Seilen hievten zehn kräftige Männer den Wagen samt der Leiche vorsichtig in die Grabkammer und schoben ihn in eine Ecke, rechts neben den bereits dort befindlichen Riesenkrater voller Wein. Die vier Räder wurden an die rechte Wand gelehnt, die zwei Schimmel getötet und deren gezäumte Kadaver zu Füßen der Fürstin vor den Wagen drapiert. Dann legte man noch den Totenschmuck, die goldenen Fibel, die eisernen Amulette und die Bernsteinketten auf die Leiche. Der verbleibende Raum in der Grabkammer wurde mit einem ganzen Satz irdenem Geschirr gefüllt, das voll von leckeren Speisen war. Ein Emmer-Eintopf, Brot, Kuchen, Süßigkeiten, Würste, Rohschinken, frisches Obst und Gemüse, ein Schälchen voller Salz, ein anderes voller Honig, des weiteren Milch, Butter, Käse – kurzum alles, was der Fürstin schmeckte! Zum Krater legte man eine Schöpfkelle, mehrere Trinkschalen, und an die mit Tüchern behängte Wand befestigte man ein paar goldbeschlagene Trinkhörner. Zur Totentafel legte man noch vier gebratene Spanferkel und ein großes Stück gebratenen Ochsen, dazu ein großes Fleischmesser. All das diente der Toten dazu, in der Anderswelt weiterhin reiche Feste zu feiern. Zum Schluss zündete man noch eine Öllampe aus Griechenland an und stellte sie neben den Wagen – Sapsuta sollte Licht haben, um den Weg in die Anderswelt zu finden. Alle streuten noch frische Blumen und Blütenblätter ins Grab, während die Druiden beteten und die Priesterinnen heilige Gesänge anstimmten. Dann wurde die Grabkammer, die irgendwie einem gemütlichen Schlaf- und Speisezimmer glich, mit den Deckenbohlen verschlossen. Alle Werkzeuge, die man für das Herstellen des Totenschmucks und der Grabkammer brauchte, sowie die Arbeitsabfälle und einige Schaufeln voller Scherben der Weinamphoren wurden auf die Deckenbohlen der Grabkammer geschüttet. Dann
nahmen alle Gäste noch je einen Stein und legten ihn auf die Grabkammer, bevor die Sklaven und Arbeiter damit begannen, die Erde und das Geröll über der Kammer aufzuschütten. Während der ganzen Zeit spielten die Musiker und sangen die Barden L4statueoblieder auf die tote Fürstin. Als der Grabhügel wieder vollständig aufgeschüttet war, pflanzte man noch eine steinerne Statue, die in abstrakter archaischer Form Sapsuta darstellte, neben den Hügel in die Erde, auf die Seite ihrer Grabkammer. Sie war die erste Regentin, der man eine Steinstatue meißelte.

Da der gute Ruf der Sapsuta ihren Tod überdauerte, kamen immer wieder Menschen zum Grabhügel, um Speise- und Trankopfer, und einige Jahrhunderte später, sogar Münzen darzubringen. Die alte Fürstin aus grauer Vorzeit, deren Namen man vergessen hatte, war nur mehr als Urahnin Rigani – als „Königin“ - bekannt, die göttliche Verehrung genoss und so selbst zur Göttin wurde, die ihr Volk und ihre Stadt Dubnoduron auch noch nach dem Tode schützte und für Wohlstand sorgte.

 

 

 

Rekonstruierte hölzerne Statue eines Gottes oder Ahnen
am keltischen Gräberfeld vom Dürrnberg / Hallein.

 



 
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