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6. Zugrundeliegendes Gottesbild
Gerade der Hinduismus ist als eine sehr große, heute noch aktive polytheistische Religion geeignet um mehr darüber zu erfahren, wie ein polytheistischer Pantheon denn funktionieren kann.
In den meisten Strömungen des Hinduismus wird eine gewisse Formlosigkeit des Göttlichen betont. Götter können sich in verschiedenen Gestalten und Aspekten zeigen, sich, wie die sterblichen auch, neu inkarnieren lassen und jederzeit verschmelzen oder sich teilen.
Es erscheint logisch anzunehmen, dass bei ihrer wahrscheinlichen Machtfülle die Götter kaum als ``Fachidioten'' auf ihr eigenes Portofolio begrenzt sind. In den Veden und Puranas des Hinduimus entsteht der Eindruck, daß die Götter ihre Portofolios in Absprache einander zuteilen und diese Zuständigkeiten einer eher administrativen Aufteilung (ähnlich eines heutigen ministeriellen Kabinetts) gleichkommt. So ist Indra zwar Donnergott und Kämpfer der Götter, trotzdem ziehen z.B. die anderen Götter und Göttinnen auch in den Krieg oder schleudern Blitze, wenn es für die Erfüllung ihrer Aufgabe wichtig ist.
Betrachtet man die verschiedenen Puranas der Hauptgötter, so kann man leicht erahnen, daß jeder der Götter, ähnlich einem einzelnen Teil eines Fraktals, zwar eigenständig ist, aber stets das ganze Pantheon und damit alle Macht wiederum in sich trägt. An dieser Stelle muss man auch erwähnen, dass im Hinduismus die destruktive Seite der Götter genauso verehrt wird wie die positive. So ist Parvati, die Göttin der Fruchtbarkeit, gleichzeitig auch Kali oder Shiva bzw. Rudra gleichzeitig der mordende Mahakala. Trotzdem werden diese ``schwarzen'' Götter auch verehrt, da man sich von ihrem Wohlwollen ebenfalls Hilfe und Schutz verspricht.
Gerade diese Akzeptanz auch der destruktiven Facetten einer Göttergestalt ist eine Sache, die in unserer westlichen Welt durch die christliche Prägung heute undenkbar erscheint. Sieht man sich die verfügbaren westlichen polytheistischen Überlieferungen an, so findet man aber deutliche Hinweise, daß die Wahrnehmung der Götter nicht nur auf ihre positiven Eigenschaften beschränkt war.
Die genannten groben Eckpunkte möchte ich für die Rekonstruktion zugrunde legen, da eine strikte Abtrennung des Pantheons in unabhängige Bereiche mit den vielfältigen Eigenschaften, die bei Cernunnos ähnlich seinen Verwandten zu vermuten sind, mir persönlich nicht wirklich schlüssig vereinbar zu sein scheint. Genauso wenig erscheint mir eine Reduzierung egal welchen Gottes auf wenige Dinge als angebracht.
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