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Cernunnos - der Gott der vom Indus kam? PDF Print
Written by Jörn Mankiewicz   
Samstag, 26 April 2008
Article Index
Cernunnos - der Gott der vom Indus kam?
Darstellung des Cernunnos
Cernunnos
Andere Religionen (Slawen)
Andere Religionen (Hinduismus)
Zugrundeliegendes Gottesbild
Rekonstruktionsversuch
Anhang
 

7. Rekontruktionsversuch

 Jetzt sind Hilfsannahmen gefragt um aus dem zuvor gesammelten Wissen ein stimmiges Bild des Cernunnos zu rekonstruieren. Ohne beides wäre unser Streifzug durch die verschiedenen Religionen hier zu Ende. Ich möchte an dieser Stelle aber ein nicht allzu detailliertes Bild konstruieren, damit ein Eindruck entsteht, was man über diesen Gott aus den vorliegenden Gemeinsamkeiten der Religionen vermuten kann. Die detaillierte Ausdeutung überlasse ich den persönlichen Eindrücken und Erfahrungen des geneigten Lesers.

7.1 Portofolio

 Wenn man die verschiedenen Gottheiten vergleicht, sieht man leicht, dass Cernunnos recht vielseitig sein muss. Seine Schutzherrschaft über Fauna und Flora ist sicherlich unstrittig.
 Angesichts der Darstellung auf dem Kessel von Gundestrup und aus den Veranlagungen Veles' und Shivas ist anzunehmen, dass er auch ein Einweihungsgott war, der die Mysterien und die Weisheit (Schlange) der Welt offenbaren konnte. Gleichzeitig trägt er selbst einen Torques und hält meist sogar noch einen hoch, was auf seinen Herrschercharakter bzw. seine Fähigkeit, andere zu erheben, hinweist. Cernunnos wäre demnach auch Beschützer derer, die die inneren Zusammenhänge der Welt verstehen wollen.
 Man kann getrost annehmen, dass angesichts seiner vielseitigen ``Vettern'' damit sein Aufgabengebiet nicht ausgeschöpft war: Seine Symbolik der Naturverbundenheit, der Fruchtbarkeit, der Stärke und der Versorgung von Tier und Mensch mit allen notwendigen Dingen legt nahe, dass er mit der Herrschaft über die Ordnung und die grundlegenden Kräfte der Welten betraut war.
 So ist Rudra z.B. der Herr aller lebenden Dinge und aller Naturgewalten, genauso wie Veles die ganze Natur darzustellen scheint.
 Erinnern wir uns an Veles' und an Shivas mäßigenden Einfluss auf ihre donnernden Mitgötter, so sieht man, dass ihre Aufgabe auch stets die Erhaltung der Schöpfung, ihrer Ordnung und deren Schutz vor zerstörerischen Eingriffen Dritter ist. Cernunnos' Weisheit und Einweihungsfähigkeit wäre dann eine sekundäre Folge seines ``Insiderwissens'' über die Mechanismen der Welt, genauso wie sein zu vermutender Hang zur Magie, welche ihre Wurzeln in den ureigensten Grundfesten der Welt hat.

7.2 Charakter

 Es ist im Eindruck der meditativen Darstellung von Cernunnos und den Eigenschaften Shivas anzunehmen, dass sich Ersterer aus den Angelegenheiten der Götter weitgehend heraushält, solange sie nicht drohen, ein Ungleichgewicht in der Schöpfung auszulösen. Seinen Einfluss auf seine Mitgötter sollte man dennoch nicht unterschätzen, denn er wurde sicherlich nicht ohne Grund von den Römern teilweise mit Jupiter gleichgesetzt. Auch Shiva ist zwar nicht das offizielle Oberhaupt der Götter, wird wegen seiner Weisheit und seinen weitreichenden Fähigkeiten aber oft von diesen zu Rate gezogen.
 Als Kontrast zu den meditativen bzw. gütigen und fürsorglichen Posen, in denen Cernunnos gezeigt wird, steht die Ausstattung mit Hirschgeweih und wilden Tieren, die vermuten lässt, dass er wie Shiva und Veles eine wilde Seite besitzt die sich in Extase und Hingabe, aber auch in der berauschenden Jagd oder unaufhaltsamen Vernichtung zeigen kann. Nicht umsonst ist auch ein Aspekt Rudras die alles verschlingede Zeit ``Kala'' bzw. sehen wir im Mythos den Kampf zwischen dem Herrscher Perun und dem Aufwiegler Veles, der die Welt aus den Fugen geraten lässt. Es ist somit anzunehmen, dass Cernunnos ebenfalls polarisiert ist zwischen dem gedulgien, gütigen Einweihungsgott bzw. Weltenhüter und dem gnadenlosen Lauf der Naturgewalten. Die Welten erfolgreich zu betreuen ohne eine Chance zu besitzen, gegen Übelwollende wirkungsvoll vorzugehen, scheint auch sehr, sehr schwierig. Zudem sind diese polaren Prinzipien in der Natur immer miteinander anzutreffen und deswegen bei einem Gott, der so sehr mit den Welten verbunden ist, ebenfalls zu erwarten.

7.3 Beziehung zu Taranis

 Von Veles wissen wir um eine recht ausgeprägte Antipathie zum Donnergott Perun. Im Hinduismus ist Indra der Donnergott, welcher von Shiva (ohne Kampf, durch Klugheit) gezähmt wird. Wie könnte nun das Verhältnis zwischen Cernunnos und seinem donnernden Pantheons-Gefährten Taranis aussehen?
 Eine Feindschaft wie im slawischen Raum, wo selbst die Verehrung strikt getrennt werden musste, halte ich für eher unwahrscheinlich. Der Konflikt zweier ``Jupiter''-Götter, zudem beide mitunter Herren über die Gewalten des Himmels, im Pantheon unterzubringen, lässt sich (außer durch die triviale Lösung der Weglassung oder Verschmelzung) durch Beachtung des vorgenannten Götterbildes (siehe Abschnitt 6 ) einfach auflösen.

7.4 Verehrung

 Als gesicherte Form der Verehrung kann man die Opferung von Nahrung jeder Art ansehen, z.B. das stehenlassen einer Garbe bei der Ernte oder das Opfern eines Stückes Fleisch nach der Jagd. Inwiefern eine quasi-phallische Verehrung von Steinen, Bäumen oder Säulen, ähnlich des Lingamkultes von Shiva, stattgefunden hat, vermag man an dieser Stelle nicht zu sagen. Als Hüter der Welt ist Cernunnos immerhin auch für deren Fruchtbarkeit mitunter verantwortlich. Es ist anzunehmen, dass er auch von Menschen, welche durch Meditation und Naturverbundenheit die Welt ergründen wollen, angetan sein wird. Als Rauchopfer wären, ähnlich der Praxis bei Shiva, würzige, krautige Räucherstoffe zu empfehlen.
 Der wilden Seite dieses Gottes kann man durch extatische Praktiken sicherlich recht nahe kommen.



 
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