| Witchvox über CR |
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| Written by Claudia Jenik | ||||||||||
| Samstag, 03 Mai 2008 | ||||||||||
Page 3 of 8 Glaubensgrundlagen Unser Weg ist polytheistisch und animistisch. Wir glauben daran, dass es viele Gottheiten gibt, von denen jede eine eigenständige Persönlichkeit ist und der Anbetung würdig. Wir glauben, dass die Ahn/innen und die Geister des Landes und der Natur ebenfalls individuelle Wesen sind, die Anerkennung, Gebete und Ehrerbietung verdienen. All diese Wesenheiten stehen miteinander kontinuierlich in Verbindung. Man kann also Gottheiten, Ahn/innen und Naturwesen nicht streng voneinander trennen oder in vorgefasste Kategorien einteilen. Die meisten keltischen Rekonstruktionist/innen glauben daran, dass die Gottheiten und Geistwesen in unserer Welt aktiv sind und auch in unser persönliches Leben eingreifen, uns beeinflussen und auf Gebete, Gaben und Opfer reagieren. Wir sind auch der Meinung, dass die Welt beseelt ist. Das heißt, einige glauben nicht nur, dass Tiere und Bäume Seelen haben, sondern auch Berge, Flüsse, heilige Quellen und andere Naturerscheinungen. Und sogar von Menschenhand geschaffene Dinge können beseelt sein. Einzelne Heid/innen oder Gruppen folgen häufig einer oder mehrerer Gottheiten, die eine besondere Bedeutung für sie haben und unter deren Schutz sie sich deshalb stellen. Die besondere Verehrung ergibt sich oft dadurch, dass die speziellen Gottheiten die Heimat oder die Vorlieben und Tätigkeiten der Verehrer/innen repräsentieren. Viele weihen sich selbst einer oder mehrerer solcher Schutzgottheiten. Den vornehmlichen Respekt genießen natürlich die keltischen Göttinnen und Götter. Wenn auch viele CR-Leute Gottheiten anderer Kulturen verehren, so tun sie das doch separat und auf eine Art und Weise, wie es der jeweiligen Kultur dieser Gottheiten entspricht. CR-Praktizierende vermischen nur selten Gottheiten und Geistwesen verschiedener Kulturen – nicht einmal verschiedener keltischer Kulturen – im selben Ritual. Und wenn es passiert, dann immer mit Achtung vor der entsprechenden Gottheit und ihrer Kultur. Alle Göttinnen und Götter werden respektiert, aber nicht alle gleichermaßen verehrt. Das heißt auch, dass keltische Rekonstruktionist/innen – bedingt durch den Glauben, dass Gottheiten individuelle Wünsche und Persönlichkeiten haben – möglichst vermeiden, miteinander verfeindete Gottheiten innerhalb eines Rituals zusammen einzuladen. [Ob Gottheiten befreundet oder verfeindet sind, kann man teilweise aus den inselkeltischen Mythen entnehmen.] CR-Leute fühlen, dass es zwar angemessen ist, eine Gottheit zu verehren, nicht aber vor ihr zu Kreuze zu kriechen. Unsere Göttinnen und Götter verlangen von uns persönliche Verantwortung, und dass wir aufgrund unserer Stärke und unserer Selbstachtung handeln. Viele keltische Rekonstruktionist/innen sehen den Kosmos dreigeteilt: in Land, Meer und Himmel. Andere wiederum postulieren eine Unterwelt, eine mittlere Welt und eine Oberwelt. Wiederum andere verwenden das Konzept der Anderswelt oder mehrerer Anderswelten, welche mit unserer Welt koexistieren. Die Anderswelten sind für uns real und für Menschen mit entsprechenden Fähigkeiten auch zugänglich. In all diesen Kosmologien spielt aber Feuer eine andere Rolle als in einigen „Mainstream-Neuheidentümern“ oder im Wicca. Feuer, speziell „das Feuer, das aus dem Wasser kommt“, wird als Symbol für göttliche Inspiration gesehen. Die göttliche Inspiration wird im [modernen] Druidentum und im CR gleichermaßen entweder mit Imbas [Irisch] oder Awen [Walisisch] bezeichnet. [Die Idee des „feurigen Wassers“ oder des „Feuers, das aus dem Wasser kommt“ hat ihren Ursprung u.a. in inselkeltischen Mythen, wo Held/innen Inspiration durch den Genuss magisch kochender Tränke (Gwion Bach) oder von Lachsen, die in „blubbernden Quellen“ schwimmen (Finn mac Cumhaill) erhalten, ebenso durch alkoholische Getränke – „feuriges Wasser“ -, wie z.B. das Bier der Unsterblichkeit des Schmiedegottes (Feuer!) Goibniu.] Einige sehen das heilige Feuer aber auch als zentralen Angelpunkt, um den sich der Kosmos dreht – ein spirituelles Äquivalent zum Weltenbaum. Ein Weltenbaum symbolisiert [unter anderem] den Mittelpunkt des Kosmos, um den sich die verschiedenen Ebenen anordnen. Dieser Baum kann natürlich durch einen realen Baum repräsentiert werden, aber auch durch einen kultischen Pfahl, der den Mittelpunkt eines Ritualplatzes oder der eigenen Wohnung symbolisiert. Die Gottheiten und Geistwesen haben auch menschliche Eigenschaften, wie z.B. verschiedene Stimmungen, Wünsche und Begehrlichkeiten. Und sie sind keinesfalls immer gut und liebevoll. Wir akzeptieren also, dass die spirituelle Welt durchaus auch gefährlich sein kann. Daher opfern wir den Wesenheiten nicht nur, um ihnen Geschenke zu machen, sondern auch, um sie zu besänftigen. Einige – lange nicht alle - keltischen Rekonstruktionist/innen verwenden Elemente in ihren Ritualen. Hier kursieren viele Ideen von sieben über elf und mehr Elementen, welche die verschiedenen Bausteine der physischen Welt repräsentieren. Naturphänomene wie Regen, Sonne, Wolken, Pflanzen, Steine, Erdboden, Meer und andere sind unsere „Elemente“ und werden manchmal mit Körperteilen oder philosophischen Konzepten gleichgesetzt, wie man sie manchmal in [inselkeltischen] Überlieferungen finden kann. Die Sonne z. B. wird manchmal mit dem Gesicht gleichgesetzt, die Sterne mit den Augen, Wolken mit dem Geist oder dem Denken und Pflanzen mit den Haaren. Wie auch immer: Viele CR-Leute haben aber kein großartiges Bedürfnis nach Korrespondenz-Tabellen – sie sind nämlich der Meinung, dass das vielfältige lebendige Universum nicht gut in Schubladen passt. In irischen und schottischen Zweigen des CR gibt es das Konzept der drei Kessel. Man geht dabei davon aus, dass den Körper ein inneres Energienetz durchströmt. Die drei Kessel symbolisieren dann die drei Bereiche des Körpers, welche als Tore für göttliche Energie und Inspiration fungieren. Die Beschaffenheit, Harmonie oder Disharmonie, dieser spirituellen „Kessel“ zeigt an, wie man sich fühlt, und ob man krank ist. [Das Prinzip der drei Kessel wird in einem irischen mittelalterlichen Gedicht erwähnt, wo drei Kessel der Inspiration genannt werden: einer im Kopf, einer im Herzen, einer im Bauch. Die Ähnlichkeit zu den drei Dan Tian im Qi Gong ist m.E. ein interessanter Zufall.] Spirituelle Heiler/innen in dieser Tradition arbeiten mit diesem Konzept, aber auch in Meditationen kann man das Bild der drei Kessel als Synonym für die drei Energiebereiche im Körper anwenden. Was Macht und Führungsqualitäten im CR betrifft, sind Männer und Frauen vollkommen gleichberechtigt. Sowohl Frauen als auch Männer sind im CR als Forscher/innen, Gelehrte, „Druid/innen“ oder Seher/innen, „Krieger/innen“, Künstler/innen, Leiter/innen von „Haushalten“ oder „Stämmen“ und allen anderen Aufgabenbereichen tätig. Man huldigt Göttern und Göttinnen gleichermaßen. Wenn bestimmte Gottheiten bevorzugt werden, dann nur bedingt durch persönliche Vorlieben. Einige Gemeinschaften und Individuen, wie zum Beispiel die verschiedenen Brighid-Orden, ehren zum Beispiel ausschließlich Göttinnen. Außerdem ist der CR sexuellen Minderheiten gegenüber absolut aufgeschlossen: viele Gründungsmitglieder und Denker/innen sind homo- oder bisexuell oder auch transgender. Ein großer Teil der CR-Praktizierenden sehen Feminismus als wichtigen Teil ihrer Philosophie und ihrer (spirituellen) Praxis. Obwohl viele Leute, die zum CR kommen, keltische Vorfahren haben, ist es im CR keinesfalls Voraussetzung, einen keltischen Stammbaum nachweisen zu können. Wir respektieren alle unsere Lehrer/innen und Ahn/innen, egal ob diese nun keltisch sind oder nicht. Viele von uns haben keine keltischen Vorfahren, aber wir alle sehen in den frühen Kelten „spirituelle Ahn/innen“, die für unseren Weg bestimmend sind. Uns ist bewusst, dass die Menschheit in Afrika entstanden ist, und dass wir infolgedessen alle aus demselben Blut sind – wir alle gehören zur menschlichen Familie. CR ist daher unter allen Umständen antirassistisch, und Leute aller Ethnien, Kulturen und Hautfarben, welche den keltischen Gottheiten im Sinne des CR folgen wollen, sind herzlich willkommen. Unsere rekonstruktive Arbeit an einer authentischen keltischen Religion wurde auch von indigenen Praktiken anderer Kulturen, wie Voodoo, verschiedenen Stammesreligionen, Animismus und Hinduismus inspiriert. Allerdings übernehmen wir nicht einfach Teile dieser Kulturen oder behaupten gar, diese Traditionen zu praktizieren oder zu repräsentieren. Jede Tradition hat ihre eigenen Priester/innen – ihren Klerus - und ihre eigenen Gemeinschaften. Auch wenn wir, wo immer wir können, uns lieber auf die keltischen Überlieferungen beziehen, so gibt es im „Rekonstruktionspuzzle“ eben leider immer wieder fehlende Teile. Wir sehen uns dann bei heutigen Traditionen um, die ähnliche religiöse Praktiken haben könnten wie die frühen Kelten. So inspiriert kreieren wir dann die fehlenden Puzzleteile, immer den „keltischen Geist“ im Auge behaltend. Das Wissen über andere Traditionen dient auch als nützliches, wertvolles Feedback, wenn man durch Inspiration erfahrene rituelle Praktiken oder religiöse Theorien vergleichen, verifizieren oder überprüfen will. Da wir uns mit den Naturgeistern verbunden fühlen und das Land, auf dem wir leben, heilig ist, sind viele CR-Praktizierende im Umweltschutz aktiv. Andere wiederum finden es wichtig, die heimische Fauna und Flora zu kennen, um sich auf diese Weise mit dem Land und den Naturgeistern zu verbinden. Metaphern aus der Welt der Natur sind in der Sprache der Philosophie, des Rituals und des Denkens üblich. Dieses Naturverständnis lässt sich in der langen Tradition der inselkeltischen Poesie und Mystik zurückverfolgen. Ökologie und Ökofeminismus spielen in der Praxis von CR-Anhänger/innen oft eine große Rolle. Gelehrsamkeit, Mystizismus, ekstatisches Erleben und persönliche Inspiration sind allesamt hochgeschätzte Komponenten im keltischen Rekonstruktionismus. All dies ist gleichermaßen notwendig, auch wenn manchmal Einzelne und Gruppen das eine oder andere als wichtiger erachten. Forschung, Belesenheit und Kunstfertigkeit genießen großen Respekt im CR. Aber auch Verständnis für und Wertschätzung von Geschichte ist sehr wichtig. Eine keltische Sprache zu beherrschen ist zwar nicht notwendig, allerdings ist es sinnvoll, ein paar religionsspezifische „Fachausdrücke“ in den keltischen Sprachen zu kennen. Einige zelebrieren sogar ganze keltischsprachige Rituale oder rezitieren einige liturgische Phrasen auf Keltisch. Alle individuellen Erkenntnisse, die durch Lesen, Lernen, Inspiration, Meditation, ekstatische Praktiken, etc. zustande kommen, werden von den Mitgliedern diskutiert, mit anderen geteilt und auf Sinnhaftigkeit untersucht, indem sie in der Ritualpraxis ausprobiert werden. |
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