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Der Altar

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Die hier aufgeführten Ansichten über Altäre entsprechen meinen Ansichten und wollen auch so verstanden werden.

Boduos

 

Geschichtliche Betrachtung

 

Unter Altar versteht man im Allgemeinen und in vorchristlichen Religionen speziellen einen eng umrissenen Ort, meist baulich kenntlich gemacht der der Ort des Opfers und der Verehrung an eine Gottheit ist. Früheste Altäre bestehen aus erhöhten flachen Felsen, später auch aus gemauerten Örtlichkeiten. Der Altar befindet sich nicht immer im Tempel, in der vorchristlichen römischen und griechischen Tradition befand sich der Altar oft vor dem Tempel. Der Tempel dient als Ort der Kultausübung, Aufbewahrung von Kultgegenständen und Abbildern der Verehrten Gottheiten, wohingegen der äussere Altar für das öffentliche Opfer vor dem Tempeltor öffentlich zugänglich und auch einsichtbar war.

Bei den Kelten war es nachgewiesenerweise üblich das man Opfer durch Deponierungen darbrachte. Die Sitte Opfer in Flüssen und Seen zu versenken brachte der keltischen Eisenzeit den Namen "La Tene" ein, nach dem an archäologischen Opferfunden so reichem See La Tene. Der Schild von Battersea, als Votivgabe in der Themse versenkt ist ebenso ein Beispiel für ein Flussopfer.

Weiterhin gab es im festlandkeltischen Bereich die  Sitte der Opferschächte. Die bis zu 35m tiefen unter noch nicht schlussendlich geklärten Bedingungen gegrabenen Schächte dienten unter Umständen (aus Mangel an Schriftzeugnissen müssen die Archäologen sich den Mitteln der Herleitung und Interpretation bedienen) kultischen Opferhandlungen zu Ehren chtonischer Gottheiten.

Auch die sowohl bei Kelten wie Germanen verbreitete Sitte Menschen- wie Tieropfer sowie Sachopfer in Opfermooren zu versenken ist bekannt und durch entsprechende Funde wie den Lindow-Mann, das Yde-Mädchen und weitere Funde.

Beim germanischen Bløt, das sowohl als Ereignis als auch als Kulthandlung verstanden werden darf wird das Trankopfer auf der Erde ausgegossen, in diesem Falle ist die umgebende Erde als Gesamtheit der Altar.

Bei grossen Brandopfern diversester Art hängt es naturgemäß von der Größe des Opfers ab. Opfert man größere Säugetiere als Brandopfer wird der herkömmliche Opferaltar aufgrund von Größe und Hitzeeinwirkung des Brandes unzureichend und die Feuerstelle ist entweder an sich der Altar oder ihr wird ein Altar beigestellt für zusätzliche Kult- und Opferhandlungen. Handelt es sich bei dem Brandopfer um kleinere Tiere oder um Teile derselben kann das Opfer auf dem Altar dargebracht werden. Allerdings sollte man berücksichtigen das ein Tieropfer seit jeher wegen des hohen Wertes von Fleisch und lebendigem Nutztier keine Alltagshandlung des allgemeinen Volkes war sondern eher einen speziellen Charakter hatte.

Bei kleinen Brandopfern wie zum Beispiel gemäß dem pars-pro-toto Prinzip Teilen von Tieren die für das ganze Tier stehen wie Fell, Federn, etc oder Pflanzen, Räucherungen oder brennbare Gegenstände wie Pergament, Kultgegenstände, magische Artefakte, etc ist die Opferung auf einem Altar durchaus gebräuchlich.

Andere Arten des Opfers wie Gebete, Kulthandlungen, spezielle Riten finden auch ihren Platz auf dem Altar.

 

Definition

Der Altar ist der Ort der kultischen Opferhandlung.

Das Opfer ist ein Austausch zwischen den Opfernden und den die Opfer zugedachten Entitäten bzw Kräften.

Der Altar ist nur bedingt ein Bauwerk, Möbel, Einrichtung. Im Falle der Deponierungen ist der Altar im Sinne der Opferhandlung ein See, ein Fluss, ein Schacht, ein Moor.

Ein Altar ist nur bedingt ein fester Ort. Der Ort ist vielmehr bedingt durch die Opfergewohnheit.

 

 

Heutige pagane Verwendung

Heutzutage wird ein Altar in vielen paganen Traditionen unter folgenden Aspekten als notwendig erachtet:

- als kultisch erforderliches Utensil um sich religiös auszudrücken

- als kultisch erforderlicher Ort um religiöse Kulthandlungen auszuüben

- als sichtbarer Marker für die Umwelt das dieser Ort dem Opfer dient

Meiner Meinung nach, die weniger dualistisch als monistisch motiviert ist ist die Welt um uns herum für sich ein Altar, aber das Opfer hängt von Kontext und dem Umfeld ab. Große Brandopfer in einem Wald abzuhalten mag kultisch gesehen interessant sein, dient aber weder dem Wald noch dem Opfer.

Nach meiner Auffassung sind die Gottheiten anthropromorphe Meme des Universums und ein Opfer muss den Regeln dieser Gottheiten in ihrem Umfeld erfolgen. Das Konzept Altar ist dabei eher verschwommen und sehr situationsabhängig. Da Beispiele die Welt besser erklären hier ein Beispiel:

Ein Landwirt, Gärtner, Bauer mag der Erde und dem Himmel gerne durch Brandopfer, Gesänge und Trankopfer danken und durch Feste und Lustbarkeiten, aber am ehesten ist dem Land gedient indem der Gärtner auf Gifte verzichtet, Orten für Blühpflanzen bereitstellt, den letzten Teil der Ernte (Achtung! Tradition!) stehenlässt für die guten Geister. All diese drei Beispiele sind für den Landwirt, Gärtner, Bauern Opfer, richtige Opfer, aber sie dienen  dem Adressaten gemäß der Regeln. Weniger Gift bedeutet das die Chemie des Landes im Einklang ist, mehr Blühplanzen bedeutet das es einen Rückzugsort für Insekten und Kleintiere gibt, eine nicht kulturgenutzte Fläche für Leben, das wiederum auch dem Gärtner dient, der letzte Teil der Ernte als Nahrung für die Tiere die auf den leeren Feldern nichts mehr finden.

Beim Beispiel des Gärtners ist der Altar das Land und ihm wird auf ihm das Opfer gebracht, ihm zu Ehren und zu Nutzen.

Falls es einen Altar geben sollte, so dient dieser dem Gebet und der Andacht. Auch dieser hat im monistischen Denken einen Sinn und Zweck, so gibt und das Gebet und die Andacht eine Richtung, richtet unseren Verstand in der von uns gewünschten Richtung aus, was wiederum dazu führt das wir die Regeln des Opfers erkennen, einhalten und durchführen.

Meiner Meinung nach sollte der Altar nicht selbstzweck sein, nicht Accessoire und schmückendes Beiwerk sondern Teil der eigenen inneren Bildung des Individuums und seiner Gemeinschaft um sich selbst bewusstes Teil des Universums zu sein.

 

 

Anmerkung:

Ich bin kein Spezialist für vorchristliche Religionstraditionen. Sollten mir grobe historische Fehler unterlaufen sein bitte ich darauf per Email oder via Telegram hinzuweisen, damit ich erwiesenermaßen falsche Informationen richtigstellen kann.

 

Bücher:

Fraser: "Der goldene Zweig"

Wolfgang Meid "Die Kelten"

Helmut Birkhan "Die Kelten - Versuch der Gesamtdarstellung einer Kultur"

Links zu dem Thema:

https://de.wikipedia.org/wiki/Altar

https://de.wikipedia.org/wiki/La_T%C3%A8ne_(Fundplatz)

https://de.wikipedia.org/wiki/Battersea-Schild

https://de.wikipedia.org/wiki/Viereckschanze

https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%A4dchen_von_Yde

https://de.wikipedia.org/wiki/Lindow-Mann

https://de.wikipedia.org/wiki/Opfermoor

https://de.wikipedia.org/wiki/Nydam-Moor

Published on  05.08.2018