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Exposom

Interessante Betrachtungsweisen auf den menschlichen Körper. Lasst uns die Realität ein wenig dekonstruieren:

 

Wir wissen ja das in und auf unserem Körper Abermilliarden von ein und mehrzelligen Organismen Leben, die nicht wir sind...

Moment. Halt, Stop.

"Wir" wissen das nicht. Es gibt Leute, die behaupten das es so ist und ich bin in der Annahme das diese Aussagen so korrekt sind. Willkommen im postfaktischen Zeitalter.

Also. Es ist wohl so, das in und auf unserem Körper Ein- und Mehrzeller in Legion auftreten, wir reden hier von Milliarden bis Billionen pro Art. Das bedeutet das ich in meinem Körper in der Minderheit bin, wenn ich "Ich" so definiere das alles was ich bin auch meine DNS hat. Und meine mitochondriale DNS, die ist eben nicht diesselbe, aber gestehen wir ihr zu das sie auch "Ich" bin. Die "Anderen" das sind eben diese Myriaden von Kleinstlebewesen, Bakterien, etc die in unserem Darm leben, zwischen unseren Haaren, auf unserer Haut, auf unseren Augen, in unserem Schweiss brüten und sich vermehren. Das sind die "Anderen".

Man muss allerdings von vornerein sagen das diese anderen kein Schmutz sind und keine Parasiten. Es sind Symbionten. Wenn sie sterben, sterben auch wir. Sie verdauen unser Essen, sie verarbeiten unseren Stuhl, sie schützen unsere Haut. Jeder Mensch oder besser jede Lebewesen, ob Tier, Pilz oder Pflanze lebt in dieser symbiotischen Gemeinschaft, das bedeutet, jeder von uns ist nicht nur "ich" sondern wir sind viele. Jeder von uns, ob mein Lebensgefährte, mein Kind, die Katze, der Hund oder der Fikus auf der Fensterbank sind symbiotische Sphären, Universen die in sich nicht abgeschlossen sind sondern permanent fluktuieren, strömen, sich verändern, angegriffen werden und sich verteidigen. Ich, das sind viele.

Unser Körper bildet nach innen ein zwar nicht abgeschlossenes System aber man könnte sagen, es ist relativ gekapselt. Um uns herum besitzen wir aber eine Wolke aus Ausdünstungen, Pheromonen, Symbionten, Parasiten. Diese Wolke nennen die Forscher das Exposom.

Und dazu gibt es jetzt einen netten Artikel. Anscheinend hat man ein "Schnüffelstück" gebaut das die diversen Partikel, Stoffe und Organismen einsaugt und in Träger sammelt. Dieser Träger wird nach einer definierten Zeitspanne entnommen und kann dann analysiert werden. Der erste Schritt in Richtung biosphärischer Biometrie. Einerseits faszinierend was wir alles lernen können, andererseits erschreckend was mit dieser Technologie möglich sein könnte. Übrigens sollte man jetzt nicht in Panik verfallen. Damals waren die Steine auch bereits eine dumme Idee. Man konnte sie zwar als Werkzeug nutzen, aber man hat auch ganz schnell rausgefunden das man sie auch zum Köpfe einschhlagen verwenden kann. Also keine Panik.

Was mich so fasziniert ist, das der medizinische Tricorder nach Star Trek Vorbild wieder ein Stück realistischer geworden ist als reeles Faktum. Mit genug Wissen und Daten über unser Exposom kann so ein Tricorder Krankheiten und Befall erriechen, aber auch Paarungsbereitschaft, Depression oder Erregung. Unabhängig vom eventuellen Missbrauchsfaktor ist das eine faszinierende Idee um das Bild das wir von uns haben, als statische, eigene Körper zu dekonstruieren und uns als Teil von allem zu verstehen.

Unsere Leben gehören nicht nur uns allein und wir sind ganz reel und nicht nur abstrakt mit allem um uns herum verbunden. Wenn wir uns paaren, dann dringen wir nicht nur ineinander ein, wie ein invasiver Stosstrupp, wir verschmelzen teilweise sogar ganz reel mit unseren Partnern, mit unseren Mitmenschen und mit unserer Umgebung. Wir sind nicht losgelöst von der Welt sondern verbunden mit allem. Wir sind auch nicht statisch und unveränderlich sondern ein beständiger Strom von Materie, permanent im Wechselspiel zwischen Verfall und Regeneration.

Faszinierend.

 

Quelle:Telepolis

https://www.heise.de/tp/features/Exposom-oder-die-Wolke-die-uns-umgibt-4173768.html

Published on  02.10.2018