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2018-10-11 Angebot für den Wald und Astroturfing

Die Regierung von NRW legt sich nicht auf einen Kohleausstieg fest:

http://taz.de/NRW-reagiert-auf-Proteste/!5542270/

Man habe Angst vor einer Deinstrualisierung, ähnliche Argumente fanden sich auch auf der Pro-Kohle Website pro-hambach.de die anscheinend von RWE bzw RWE nahen Personen als pro-Industrie und pro-Zukunft vermeintliche Bürgerinitiative gelauncht wurde. Astro-Turfing nennt man das Verfahren. Das hat eher etwas mit asymetrischer Kriegsführung als mit Demokratie zu tun. Niema Movassat, MdB, die Linke hat das nochmal schön getwittert:

https://twitter.com/NiemaMovassat/status/1048491644465664000

Derweil bietet die freundliche Suchmaschine aus der Nachbarschaft, Ecosia.org, eine Million Euro für den Hambacher Forst, RWE mag das aber nicht kommentieren.

https://utopia.de/ecosia-hambacher-forst-rwe-statement-107970/

Falls jemand das hier liest und noch die eine oder andere Million über hat kann er oder sie sich, anstatt sich einen neuen Sportwagen oder eine Yacht zu kaufen, an dem Kaufangebot für den Wald beteiligen. Kommt nicht alle Tage vor, das man ein Held sein kann, nur weil man Geld hat.

Allerdings könnte es sein, das dieser Prozess eh bald hinbfällig ist, es wird untersucht ob der Hambacher Wald ein schützenswertes Habitat ist und dementsprechend deklariert und unter Schutz gestellt werden kann.

Der neue VW Chef Herbert Diess bekundet übrigens Sympathien für die Aktion im Wald, überlegt sogar Präsenz zu zeigen. Borstig wird er nur bei Dieselfahrverboten, wäre doch schade wenn eine so große Industrie und ein so wichtiger Arbeitgeber in der Region verlorenginge, nicht? *zwinker*

Ach ja. Und RWE soll angeblich eigeninitiativ Fledermaushöhlen abgeklebt haben. Aber lest selbst:

http://taz.de/PR-Interview-des-VW-Chefs/!5542351/

Bei Telepolis schreibt der Franz Alt derweil, das wir doof sind, weil wir gegen unsere Interessen handeln (da stimme ich zu) und wir sollten alle die Grünen wählen (ganz klares Nein von meiner Seite, die sind einfach nur ekelhaft):

https://www.heise.de/tp/features/Nur-die-allerduemmsten-Kaelber-4189068.html

Der Herr Alt hat da aber einen Punkt. Wir handeln gegen die eigenen Interessen. Ich bin kein Kapitalist, ich habe kein Kapital. Was habe ich zu verlieren, wenn der Kapitalismus untergeht? Es ist nicht so, das das Vakuum das ein sich auflösender Kapitalismus als System von Verteilung von Macht sich nicht mit anderen Systemen und Ideen füllen würde. Wer hat das gesagt, Kant? Habermass? Adorno? Ich weiss es nicht, aber Macht tendiert dazu sich nicht aufzulösen, sondern sich nur andere Wege und Mechanismen zu suchen. Alle Unkenrufe das wir den Kapitalismus brauchen und wir ohne den kaputt gehen vergessen, das wir auch vorher gelebt haben und uns entwickelt haben. Es gibt gute Argumente für einen gezähmten Kapitalismus, aber der neoliberale unregulierte Kapitalismus der das Wunschideal vieler Profiteure ist ist für die Mehrheit unserer Spezies ein Verlustgeschäft. Und der Kapitalismus muss nicht das einzige funktionierende System sein. Daran geknüpft ist der Umweltschutz. Wie kann ich eine Umwelt schützen die ich ausschliesslich nach ihrer Verwertbarkeit bewerte und die obsolet ist, solange ich keinen effektiven Mehrwert aus ihrer Verwertung ziehen kann? Und die schönen Arbeitsplätze die verlorengehen wenn wir den Planeten retten.

Ehrlich, wer glaubt das, wenn wir Millionen Arbeitsplätze für den Schutz des Planeten vernichten nicht an anderer Stelle neue entstehen? Wir, die vielen, werden weiter arbeiten können um uns und unsere Leute zu ernähren. Wir müssen vielleicht umschulen, aber es wird Arbeit geben. Es geht nur darum das dann die Profiteure von heute eventuell eben nicht mehr die Profiteure von morgen sind und solche fast schon feudalen Strukturen wollen nicht freiwillig sterben sondern halten sich mit Gewalt am Leben und an der Macht. Das ist aber nicht in unserem Interesse.

Jeder der solche Leute unterstützt und sich gegen die anderen Lebewesen und deren Zukunft auf diesen Planeten richtet empfehle ich keine Kinder in die Welt zu setzen. Man handelt nämlich auch gegen deren Interessen. Wir können eben nicht alle Mark Zuckerberg, Bill Gates, Nestle oder VW Manager sein. Wir haben nichts von diesem Deal.

Published on  11.10.2018